Was ist Yin Yoga und wie unterrichte ich?
Yin Yoga, eine ruhige und bewusste Yogapraxis
Yin Yoga ist eine ruhige Form des Yoga, bei der einzelne Haltungen über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Im Unterschied zu dynamischeren Yogastilen wird dabei möglichst wenig aktive Muskelkraft eingesetzt.
In meinem Unterricht geht es nicht darum, eine Haltung möglichst tief oder in einer bestimmten äußeren Form auszuführen. Vielmehr lernst du, die Wahrnehmung für deinen eigenen Körper zu entwickeln und herauszufinden, welche Variante einer Haltung zu deinen individuellen Voraussetzungen passt.
Wie üben wir im Yin Yoga?
Die einzelnen Yin-Haltungen werden in der Regel für etwa zwei bis zehn Minuten eingenommen. Ich erkläre die jeweilige Haltung und unterschiedliche Möglichkeiten ihrer Ausführung. Bolster, Decken, Blöcke, Gurte und weitere Hilfsmittel ermöglichen zusätzliche Varianten und individuelle Anpassungen.
Eine wichtige Orientierung während der Praxis ist der Atem. Er kann dabei helfen wahrzunehmen, wie der Körper auf eine Haltung reagiert und ob deren Intensität angemessen ist.
Mit zunehmender Erfahrung lernst du, diese Wahrnehmungen besser einzuordnen und deine Praxis entsprechend anzupassen. Ziel ist nicht, möglichst weit in eine Haltung zu gelangen, sondern einen bewussten und individuell passenden Umgang mit ihr zu entwickeln.
Wie ist eine Unterrichtsstunde aufgebaut?
Eine Yin-Yoga-Stunde dauert bei mir 90 Minuten.
Zu Beginn führe ich in die jeweilige Stunde und ihre Schwerpunkte ein. Während der Praxis erkläre ich die Haltungen, zeige unterschiedliche Varianten und unterstütze bei individuellen Anpassungen. Die Positionen werden anschließend für mehrere Minuten gehalten.
Zum Abschluss der Stunde folgen etwa zehn Minuten Endentspannung.
Da ich mit maximal fünf Teilnehmenden unterrichte, bleibt während der Stunde ausreichend Zeit für Fragen und persönliche Begleitung.
Für wen eignet sich mein Yin-Yoga-Unterricht?
Für die Teilnahme sind keine Yoga-Vorkenntnisse erforderlich. Anfängerinnen und Anfänger können die Grundlagen kennenlernen und schrittweise eine eigene Praxis entwickeln.
Auch mit Yogaerfahrung kannst du dein Wissen vertiefen, unterschiedliche Varianten kennenlernen und deine Körperwahrnehmung weiterentwickeln.
Entscheidend ist dabei nicht, wie beweglich du bist oder wie eine Haltung von außen aussieht. Die Übungen werden entsprechend der jeweiligen Erfahrung und der individuellen körperlichen Voraussetzungen angepasst.
Yin Yoga unterrichten lernen
Neben meinen eigenen Yogastunden bin ich auch als Dozent in der Yin-Yoga-Lehrerausbildung von Dr. Ronald Steiner und Dr. Melanie Steiner tätig.
Dort geht es über die eigene Yogapraxis hinaus um die Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten, die für das Unterrichten von Yin Yoga erforderlich sind.
Weitere Informationen zur Ausbildung findest du hier:
https://de.ashtangayoga.info/event/1611/Yin_Yoga
Yin und Yang – eine Frage der Beziehung
Um Yin Yoga besser zu verstehen, lohnt sich zunächst ein Blick auf die Begriffe Yin und Yang.
Yin und Yang beschreiben keine unveränderlichen Eigenschaften. Ob etwas als Yin oder Yang betrachtet wird, hängt davon ab, womit wir es vergleichen. Auch im Yoga ist diese Unterscheidung wichtig: Eine Praxis kann im Verhältnis zu einer anderen eher Yin- oder eher Yang-geprägt sein.
In frühen daoistischen Vorstellungen wird Yin unter anderem mit ruhigen, empfangenden und nach innen gerichteten Eigenschaften verbunden, während Yang eher aktive, dynamische und nach außen gerichtete Eigenschaften beschreibt.
Ein einfaches Beispiel verdeutlicht diese Relativität:
Betrachten wir Wasser. Vergleichen wir heißes mit warmem Wasser, ist das heiße Wasser relativ betrachtet Yang und das warme Wasser Yin. Vergleichen wir dagegen warmes mit kaltem Wasser, wird das warme Wasser zum Yang und das kalte Wasser zum Yin.
Entscheidend ist also die Beziehung zwischen zwei Zuständen. Etwas ist nicht grundsätzlich Yin oder Yang, sondern kann abhängig vom jeweiligen Vergleich unterschiedliche Eigenschaften annehmen.
Dieses Verständnis hilft auch dabei, Yin Yoga nicht lediglich als „langsames Yoga“ zu betrachten, sondern die Prinzipien hinter der Praxis besser zu verstehen.


